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Archäologen entdecken römische Bronze-Werkstatt

„Ich hab da was für Dich, Doktor", schmunzelt Grabungstechniker Dominik Sarna und schaut nur kurz zu Dr. Hans Peter Schletter hoch, während er mit dem Metalldetektor weiter sucht.

„Da drüben, ein Denar", fügt er hinzu. Schletter beugt sich runter, um die kleine Plastiktüte mit der römischen Münze aufzuheben. Er holt sie heraus, ein Kopf und eine Inschrift sind zu erkennen. Vermutlich stammt sie aus dem zweiten Jahrhundert. „Genaueres wird aber erst die Aufarbeitung ergeben", betont der Stadtarchäologe und geht weiter auf der letzten großen Untersuchungsfläche.

Seit April vergangenen Jahres gräbt er mit seinem Team rund um das nördliche Dorf am römischen Kastell in Krefeld-Gellep. Es ist die größte Grabung in der Stadtgeschichte auf einer Fläche von insgesamt 3,7 Hektar. „Wir haben 3000 Quadratmeter noch vor uns. Dazu gehört auch ein Teil des Vicus. Das wird nochmal spannend", sagt Schletter.„Das Wetter ist jetzt ideal. Da werden wir keine Verzögerungen haben", freut sich der Archäologe. Kein Regen oder Frost, dafür ordentliche Temperaturen. Ein langer Geländestreifen wird zurzeit mit dem Bagger Schicht für Schicht von Sarna freigelegt. „In diesem Abschnitt hat schon Albert Steeger 1936 gegraben", erklärt Schletter. Auch Renate Pirling und Christoph Reichmann seien in diesem Areal in kleinen Abschnitten aktiv gewesen. Ein Rätsel bildet dort noch einer von drei Gräben, die sich kreuzen. „Der unglaublich breite Befestigungsgraben stammt aus dem vierten Jahrhundert, der andere wohl aus dem ersten, aber dieser dritte Graben, das wird die weitere Untersuchung noch ergeben", hofft Schletter. Sicher ist hingegen der Fund von zwei römischen Brandgräbern. „Ob sich dort noch Beigaben befinden, wird sich zeigen", so der Archäologe.Auch im römischen Dorf haben die Arbeiten im letzten Abschnitt begonnen. Und wie von Schletter geahnt, kommen dabei schon diverse Besonderheiten ans Tageslicht.

„Wir haben hier vermutlich eine Bronze-Werkstatt gefunden, die wir momentan ausgraben", zeigt Schletter auf dem Grabungsplan. Ein Schmelztiegel, eine Zange, Schlacke und Bronzereste als Recyclingmaterial seien Indizien für einen solchen Werkstattfund aus dem zweiten oder dritten Jahrhundert. Dieser Fund fügt sich ein in die bisherigen Entdeckungen von Handwerksstätten im nördlichen Vicus. In unmittelbarer Nähe davon legt das Team zudem eine Steinstruktur frei, bei der es sich eventuell um einen Ofen oder Darre innerhalb eines Streifenhauses gehandelt hat. „Da müssen wir weiter graben, um eine stichhaltige Aussage treffen zu können", so der Archäologe. Diese Gebäudetypen standen an den Straßen und dienten Handwerkern als Wohn- und Arbeitsstätte. Am Dorfrand holt die Grabungshelferin Nicole Bertzen einen schönen Fund gerade aus dem Erdreich: Zwei Scherben aus Terra Sigillata zeigen wahrscheinlich einen Hasen und Hund mit einem Vogel. „Das könnte Teil einer Jagdszene sein", vermutet Schletter. Umgeben ist diese Fundstelle mit mehreren kleinen Öfen. „Die haben wir hier überall auf dem Areal gefunden und können sie noch nicht zuordnen", meint der Archäologe. Ob sie aus dem ersten Jahrhundert stammen und mit den Legionssoldaten und den Hilfstruppen der Bataverschlacht 69 nach Christus in Gellep im Zusammenhang stehen, das müsse die Aufarbeitung ergeben.„Aufarbeitung", das Wort fällt an diesem Tag immer wieder bei Schletter. Im kommenden Monat endet zwar die Grabung, aber die Arbeit bei weitem noch nicht, im Gegenteil. „Die wissenschaftliche Aufarbeitung und Einordung der bislang rund 3000 Befunde mit zehntausenden Fundobjekten beginnt dann und wird sehr umfangreich werden. Das ist eine zeitintensive und langjährige Herausforderung, die nur hinter den Kulissen des Museums stattfinden wird", so Schletter. Statt in die Gelleper Erde steckt er dann seine Finger für die Recherche in zahllose Bücher und wird die Funde dokumentieren. Bei der Aufarbeitung soll ihm ein Archäologe der aktuellen Grabung helfen, der seine Doktorarbeit über ein Grabungsthema schreiben will.Schon seit einigen Monaten arbeitet Restauratorin Eileen Wolff im Archäologischen Museum an der Reinigung und Zusammensetzung von einigen Objekten. Auf ihrem Werkstatttisch liegt zurzeit unter anderem ein römisches Schwert. Teile der Schwertscheide aus Holz und ein bisschen Leder haben sich noch erhalten. Es wird wahrscheinlich in diesem Jahr in einer Sonderausstellung präsentiert, wie auch ein Pferdeskelett aus der Bataverschlacht.

Es wurde bereits im November samt Erdreich komplett geborgen. Gesichert mit Gips und Bauschaum kam es Ende Dezember in einem Holzblock ins Museum. „Die Erde muss jetzt noch trocken, damit wir später keine Probleme mit Schimmel bekommen", erklärt Wolff. In den kommenden Monaten wird sie das Skelett weiter bearbeiten. „Bei der aktuellen Grabung haben wir 20 Pferde gefunden", sagt Schletter. Insgesamt seien in den vergangenen Jahrzehnten in Gellep weit über hundert Pferde entdeckt worden, die aus der beim römischen Historiker Tacitus (58 bis 120) beschriebenen Bataverschlacht stammen.

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